Online-Fortbildung für Psychologen und Psychotherapeuten — 8 Module im eigenen Tempo, mit Teilnahmebescheinigung.
EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) ist heute einer der anerkanntesten Ansätze in der Behandlung von Traumata und wird für die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) von der WHO und NICE empfohlen. Doch wie funktioniert die Methode eigentlich? Welches sind ihre vermuteten Wirkmechanismen, ihre Indikationen und vor allem ihre Grenzen? Diese Fortbildung möchte diese Fragen mit Sorgfalt und Differenziertheit beantworten.
Als echter Weg zu klinischem Verständnis konzipiert, ermöglicht sie es Ihnen, EMDR von innen heraus zu begreifen: ihre Geschichte, ihr theoretisches Modell (das AIP), die neurobiologischen Hypothesen, die sie zu erklären versuchen, den Ablauf ihres Achtphasenprotokolls sowie das gesamte Spektrum ihrer Indikationen und Kontraindikationen. Das Ziel: Ihnen die Schlüssel an die Hand zu geben, um die Relevanz der Methode einzuschätzen und Ihre Patientinnen und Patienten mit Augenmaß weiterzuverweisen.
Wichtig. Diese Fortbildung ist einführend und theoretisch. Sie dient dazu, EMDR zu verstehen und einzuordnen; sie verleiht keinerlei Befähigung, EMDR anzuwenden. Die klinische Anwendung von EMDR setzt eine zertifizierte Ausbildung (Stufen 1 und 2, mit Supervision) voraus, die von einer anerkannten Organisation durchgeführt wird — EMDRIA Deutschland oder EMDR Europe.
An wen richtet sich diese Fortbildung?
Psychologen, Psychiater, Psychotherapeuten und Fachkräfte der psychischen Gesundheit, die:
- die Grundlagen und Wirkmechanismen von EMDR verstehen möchten;
- wissen möchten, wann und an wen sie eine Patientin oder einen Patienten weiterverweisen;
- den Evidenzgrad je nach Krankheitsbild kritisch einschätzen möchten;
- mit ihren Patientinnen, Patienten und Kolleginnen und Kollegen fundiert über die Methode sprechen möchten.
Lernziele
Nach Abschluss dieser Fortbildung ist die Teilnehmerin bzw. der Teilnehmer in der Lage:
- Die Geschichte und Entstehung von EMDR nachzuzeichnen, von der Entdeckung durch Francine Shapiro bis zur institutionellen Anerkennung (WHO, NICE).
- Das Modell der adaptiven Informationsverarbeitung (AIP) und den Begriff der „dysfunktional gespeicherten” Erinnerung zu erklären, einer Kollegin bzw. einem Kollegen ebenso wie einer Patientin bzw. einem Patienten.
- Die wichtigsten neurobiologischen Hypothesen zu beschreiben (Arbeitsgedächtnisbelastung, REM-Schlaf, Orientierungsreaktion) und zu unterscheiden, was durch die Forschung gestützt wird und was umstritten bleibt.
- Die Logik des standardmäßigen Achtphasenprotokolls zu verstehen sowie die entscheidende Rolle der Vorbereitungs- und Stabilisierungsphasen.
- Die PTBS als Referenzindikation einzuordnen und einfaches von komplexem Trauma zu unterscheiden.
- Die Relevanz von EMDR über das Trauma hinaus einzuschätzen (Phobien, Trauer, Depression, Angst, chronischer Schmerz, Suchterkrankungen) anhand der Evidenzgrade.
- Die Kontraindikationen und sensiblen Patientengruppen zu erkennen (Dissoziation, Psychose, Persönlichkeitsstörungen, Kinder, medizinische Situationen) sowie die Risiken einer Destabilisierung.
- Die klinischen Situationen zu erkennen, in denen eine Patientin bzw. ein Patient an eine zertifizierte EMDR-Therapeutin bzw. einen zertifizierten EMDR-Therapeuten weiterzuverweisen ist — und jene, in denen es ratsam ist, zu warten.
- Eine kritische und differenzierte Haltung gegenüber den Kontroversen einzunehmen (Rolle der Augenbewegungen, Verwandtschaft mit der Exposition) und EMDR ohne Dogmatismus zu integrieren.
Programm — 8 Module
- Geschichte und Entstehung von EMDR — Ursprünge, Entwicklung und Anerkennung der Methode.
- Das Modell der adaptiven Informationsverarbeitung (AIP) — „falsch abgelegte” Erinnerungen, Gedächtnisnetzwerke und Reprozessierung.
- Neurobiologie und Erklärungshypothesen — bilaterale Stimulation, Arbeitsgedächtnis, REM-Schlaf: was gesichert ist und was hypothetisch bleibt.
- Das standardmäßige Achtphasenprotokoll — von der Anamnese bis zur Reevaluation, über Desensibilisierung und Installation.
- PTBS und Trauma: das Referenzfeld — Evidenzgrade, einfaches vs. komplexes Trauma, Bedeutung der Stabilisierung.
- Jenseits des Traumas: klinische Erweiterungen — Phobien, Trauer, Depression, Angst, chronischer Schmerz, Suchterkrankungen.
- Kontraindikationen und sensible Patientengruppen — Dissoziation, Psychose, Kinder, ältere Menschen, medizinische Situationen.
- Kontroversen, Debatten und Perspektiven — die tatsächliche Rolle der Augenbewegungen, die Integration in die Praxis, die Weiterverweisung der Patientinnen und Patienten.
Modalitäten
- Format: 8 Online-Videomodule, im eigenen Tempo zu absolvieren.
- Evaluation: abschließendes Quiz mit 20 Fragen (Wahr / Falsch) über den gesamten Lehrgang.
- Niveau: einführend — keine Vorkenntnisse über EMDR erforderlich.